Künstliche Intelligenz ist in der Kreislaufwirtschaft bereits in zahlreichen Anwendungen angekommen: in Sortieranlagen, bei der Brandfrüherkennung, in der vorausschauenden Instandhaltung, bei der Routenoptimierung, in der Anlagensteuerung und in der Bürgerkommunikation. Mit dem 2. August 2026 gewinnt dieser Einsatz eine neue rechtliche Dimension. Die KI-Verordnung der Europäischen Union ist seit dem 1. August 2024 in Kraft und seit dem 2. August 2026 weitgehend anwendbar; einzelne Regelungsbereiche unterliegen gestaffelten Fristen, die zuletzt durch die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744 verbindlich neu geordnet wurden. Die rechtliche Einordnung beginnt nicht mit dem Etikett des Herstellers: Zunächst ist zu prüfen, ob überhaupt ein KI-System im Sinne der KI-Verordnung vorliegt; erst Rolle, infrastruktureller Kontext, Zweckbestimmung und konkrete Funktion entscheiden, ob ein System lediglich Transparenzpflichten auslöst, dem allgemeinen Governance-Rahmen unterliegt oder als Hochrisiko-KI einzustufen ist. Der Beitrag überträgt diese mehrstufige Prüfungslogik auf die Kreislaufwirtschaft und ergänzt sie um eine Resilienzperspektive. Digitale Souveränität bedeutet dabei nicht vollständige technische Autarkie. Gemeint ist vielmehr die Fähigkeit, Abhängigkeiten zu erkennen, ihre Kritikalität zu bewerten, Alternativen und Ausstiegsmöglichkeiten vorzubereiten und im Störungsfall handlungsfähig zu bleiben. Ein zwölfstufiger Praxisfahrplan für Entsorger, Anlagenbetreiber und Behörden schließt den Beitrag ab.
Artificial intelligence has become part of day-to-day operations in the waste management sector: in sorting plants, early fire detection, predictive maintenance, route optimisation, plant control and citizen communication. Since 2 August 2026, the EU Artificial Intelligence Act has been largely applicable; the Digital Omnibus Regulation (EU) 2026/1744 has since postponed the core obligations for high-risk systems to 2 December 2027 (Annex III) and 2 August 2028 (Annex I) – as fixed dates, without the initially proposed link to the availability of harmonised standards. The legal assessment does not start with the vendor’s label: it must first be established whether an AI system within the meaning of the AI Act exists at all, before the organisation’s role, the infrastructural context and the specific function of the system determine whether it triggers transparency obligations, general governance duties or high-risk requirements. This article translates that multi-stage assessment to the circular economy and adds a resilience perspective: digital sovereignty does not mean technical autarky, but the ability to identify dependencies, assess their criticality, prepare exit options and remain operational in the event of disruption. A twelve-step practical roadmap for waste management companies, plant operators and public authorities concludes the article.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1863-9763.2026.10.07 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1863-9763 |
| Ausgabe / Jahr: | 10 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-10-14 |
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