Seit Mai 2026 ist mit der ATP 22 eine Änderung der CLP-Verordnung verbindlich anzuwenden, die direkte Auswirkungen auf die Einstufung von kupferhaltigen Abfällen hinsichtlich der gefahrenrelevanten Eigenschaft HP 14 hat. Feinteiliges metallisches Kupfer wird nun als akut und chronisch aquatisch toxisch (Kategorie 1) eingestuft (H400 bzw. H410), wobei eine spezifische Oberfläche von > 0,67 mm2/mg als Unterscheidungskriterium zu massivem Kupfer dient. Dieser Beitrag zeigt, dass dieses Oberflächenkriterium in der abfallwirtschaftlichen Praxis aufgrund methodischer Probleme nicht anwendbar ist. Eine Nachauswertung der Grundlagen der harmonisierten Einstufung von feinteiligem Kupfer zeigt, dass das Oberflächenkriterium die chronische aquatische Toxizität von kugelförmigen Kupferpartikeln mit Durchmessern über 0,33 mm (spezifische Oberfläche < 0,22 mm2/mg) wesentlich überschätzt. Sofern es nicht möglich ist, die Massenkonzentration einstufungsrelevanter Kupferpartikel in einem Abfall auf anderem Weg zu ermitteln, können die hier vorgestellten Betrachtungen als Basis für eine Risikobewertung im Sinne des „Spiegeleintragsurteils“ des EuGH (Urteil vom 28.3.2019 zu den verbundenen Rechtssachen C-487/17 bis C-487/19, Rn. 58) herangezogen werden.
Since May 2026, ATP 22 of the CLP Regulation directly affects the classification of waste containing metallic copper with respect to the hazard-relevant property HP 14. Copper metal in fine forms is classified as Aquatic Acute 1 and Aquatic Chronic 1, with hazard statements H400 and H410, respectively. The regulation uses a specific surface area above 0.67 mm2/mg to distinguish copper in fine forms from copper in massive form. This article demonstrates that this surface-based criterion does not work in waste management practices due to methodological limitations. Re-evaluation of the basis for the harmonized classification of copper in fine forms shows that the specific surface criterion significantly overestimates the chronic aquatic toxicity of spherical copper particles with diameters greater than 0.33 mm (specific surface area < 0.22 mm2/mg). If no applicable method exists to determine the mass concentration of copper particles relevant for classification in a waste by other means, the considerations presented here may support a risk assessment within the meaning of the CJEU’s „mirror entry judgment“ (Judgment of March 28, 2019, in Joined Cases C-487/17 to C-487/19, para. 58).
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1863-9763 |
| Ausgabe / Jahr: | 7 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-07-08 |
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