Der Beitrag fasst die wesentlichen Ergebnisse eines von der ITAD beauftragten Rechtsgutachtens der Kanzlei Gruneberg Rechtsanwälte zur Einbeziehung thermischer Abfallbehandlungsanlagen (TAB) in den nationalen Emissionshandel zusammen. Seit dem 1. Januar 2024 unterliegen TAB dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) und sind zum Erwerb von CO2-Zertifikaten verpflichtet. Die hierdurch entstehenden Kosten, deren Weitergabe an den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (örE) sowie die geplante Umstellung auf eine marktorientierte Preisbildung ab 2027 nach bestehendem Recht werfen erhebliche vertrags-, preis-, vergabe- sowie gebührenrechtliche Fragen auf. Darüber hinaus bestehen schon seit dem Jahr 2026 aufgrund des Preiskorridors erhebliche kalkulatorische Risiken. Die Weitergabe von Zertifikatskosten in bestehenden Entsorgungsverträgen richtet sich maßgeblich nach den jeweiligen vertraglichen Regelungen. Neben Preisanpassungs- und Loyalitätsklauseln kommen hilfsweise die ergänzende Vertragsauslegung sowie eine Vertragsanpassung nach den Grundsätzen der Störung der Geschäftsgrundlage (§ 313 BGB) in Betracht. Für künftig abzuschließende Verträge empfiehlt sich eine ausdrückliche Regelung zur Erstattung der entstandenen Zertifikatskosten. Im öffentlichen Preisrecht sind Zertifikatskosten grundsätzlich als absatzfähige Selbstkosten zu berücksichtigen. Aufgrund der künftig steigenden Preisvolatilität erscheint ab 2027 insbesondere der Selbstkostenerstattungspreis als sachgerechte Lösung. Gebührenrechtlich stellen CO2-Zertifikatskosten betriebsbedingte und erforderliche Kosten der öffentlichen Einrichtung der Abfallentsorgung dar und können grundsätzlich in die Gebührenkalkulation einbezogen werden. Zudem spricht vieles dafür, Carbon-Capture-Anlagen als Bestandteil der öffentlichen Abfallentsorgungseinrichtung einzuordnen. Ob die hierdurch entstehenden Installations- und Betriebskosten gebührenfähig sind, hängt von ihrer Erforderlichkeit im Einzelfall ab.
This article summarizes the key findings of a legal opinion commissioned by ITAD from the law firm Gruneberg Rechtsanwalte regarding the inclusion of thermal waste treatment facilities (TAB) in the national emissions trading scheme. As of January 1, 2024, TABs are subject to the Fuel Emissions Trading Act (BEHG) and are required to purchase CO2 allowances. The resulting costs, their potential passthrough to public waste management authorities, and the planned transition to market-based pricing starting in 2027 raise significant issues under contract law, public pricing law, public procurement law, and municipal fee regulations. The pass through of CO2 certificate costs in existing waste management contracts is largely governed by the respective contractual provisions. In addition to price adjustment and loyalty clauses, supplementary contract interpretation and a contract adjustment based on the principles of a change in the basis of the contract (Section 313 of the German Civil Code (BGB)) may also be considered. For contracts to be concluded in the future, an explicit provision regarding the reimbursement of incurred certificate costs is recommended. In public price regulation, certificate costs are, in principle, eligible as chargeable cost elements within cost-based pricing. Given the expected increase in price volatility from 2027 onwards, a cost-reimbursement pricing model (self-cost reimbursement price) appears to be the most appropriate solution in particular. Under municipal fee law, CO2 certificate costs constitute operational and necessary costs of the public waste disposal facility and may generally be included in the fee calculation. Furthermore, there are strong arguments for classifying carbon capture facilities as part of the public waste disposal system. Whether the resulting installation and operating costs are chargeable depends on their necessity in each case.
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1863-9763 |
| Ausgabe / Jahr: | 8 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-08-07 |
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